Viele Leute sitzen zusammen. Alle Gesichter sind in die selbe Richtung gedreht. Wie von Zauberhand halten alle gleichzeitig die Luft an, klatschen, jubeln oder pfeifen und stöhnen missbilligend. Ganz nebenbei steigt der durchschnittliche Konsum von - häufig alkoholischen - Getränken. Das freut die gastgebenden Wirte. Klar, die Menschen sehen sich gemeinsam ein Fußballspiel an. Macht richtig Spaß in großer Runde auf großer Leinwand. Allerdings ist der Spaß zu Ende, wenn Sprachfreunde darüber nachdenken, was sie dort eigentlich tun. Public viewing. Gemeinsam öffentlich gucken soll mit dem Begriff beschrieben werden. Gibt es denn dafür kein deutsches Wort? Doch, gibt es. Zumindest Ideen. Die Aktion Lebendiges Deutsch schlägt Schau-Arena vor. Im Kollegenkreis wurde Rudelgucken erdacht, wahlweise abgemildert zu Gruppengucken. Weitere kreative Ideen sind nicht nur willkommen, sondern absolut notwendig. Denn das, was hierzulande Stimmung (je nach Ausgang der Partie von ausgelassen-fröhlich bis zu niedergeschlagen-entsetzt) in einer Fremdsprache macht, ist absolut kein Grund zum Freuen. Andernorts beschreibt “public viewing” eine öffentliche Aufbahrung.
15 Juni, 2008

Die Geschmäcker sind ja glücklicherweise verschieden. Aber was hier im Fenster hängt, ist nicht jedermanns Sache und bestimmt einen genauen Blick wert.
Für alle Zweifler: Ja, es sieht tatsächlich wie ein echter Schinken aus. Probiert wurde er von mir nicht… Aber so ein tolles Stück soll ja bekanntlich luftig hängen, bis er seinen volle Reife erreicht hat. Schon deshalb (und auch wegen des Designs der Stoffgardine) ist anzunehmen, dass es sich nicht um ein Dekostück für die moderne Küche handelt.
11 Juni, 2008
Mal so ganz unter uns: Es macht doch viel mehr Spaß, unseren Freunden, den Schafen, beim Baden zuzusehen, als beim Frieren. Denn das müssen sie bei der Schafskälte um den 11. Juni herum manchmal.
So ist es recht: Mama planscht mit dem Nachwuchs im Pool, Papa döst unterm Sombrero.
Nette Abwechslung: Tantchen kommt zu Besuch beim Badespaß.
An dieser Stelle sei den kreativen Köpfen des Gartencentrums im Namen aller Passanten herzlich für die tägliche Freude beim Vorbeifahren gedankt!
9 Juni, 2008
Jetzt ist es wirklich nicht mehr zu übersehen: In Deutschland leben viele Kinder in Armut. Das ist das Ergebnis des gerade vorgestellten Unicef-Reports über „Lebenschancen von Kindern in Deutschland“. Kurzes Fazit: Die Armut von Kindern wächst. Besonders diejenigen, die mit nur einem Elternteil aufwachsen sind deutlich benachteiligt. Wie auch ein vergleichsweise kleiner Verein der wachsenden Kinderarmut etwas entgegensetzen kann, zeigt ein Beispiel aus Elmshorn. (more…)
26 Mai, 2008
Sie wollen Vertreter des Volkes sein. Und doch scheinen die Politiker taube Ohren zu haben, wenn es ums Zuhören geht. Was wollen die Bürger? Bestimmt nicht Wahlvieh sein, um Macht zu erhalten. Sie wollen klare und vor allem verlässliche Ansagen, Ziele und Marschrichtungen. Und das – seien wir doch mal ehrlich – fehlt in diesem Land seit langem. Die Folge: Jetzt haben wir keine Volksvertretungen mehr in den Städten, Gemeinden und Kreisen Schleswig-Holsteins, sondern Minderheitenregierungen. Die Wahlbeteiligung ist mit landesweit durchschnittlich 49,5 Prozent auf einen historischen Tiefpunkt gesunken. Das ist mehr als die viel zitierte Politikverdrossenheit. Das ist Frustration. (more…)
26 Mai, 2008
Atemschutz, Sauerstoffflasche, Schutzkleidung und Beil: Ein Feuerwehrmann macht sich in voller Ausrüstung auf den Weg. Hinein in die Flammenhölle, die qualmend nach ihm leckt. Einsamer Könner in mutiger Mission um Menschen und Häuser zu retten. Das ist nicht der Beginn einer Szene für einen amerikanischen Thriller, sondern die Beschreibung eines Titelfotos. Genauer: Der Imagefilm der Landesfeuerwehr Schleswig-Holstein ist fertig! Und für die DVD-Hülle wurde ein Einsatzbild ausgesucht und bearbeitet, das gleichermaßen Abenteuer, gespannte Bereitschaft, Können, Vertrauen auf gute Ausbildung und Hilfe in letzter Minute signalisiert. (more…)
6 April, 2008
Auch vielen Nicht-Hamburgern dürfte inzwischen bekannt sein, dass Deutschlands nördlichste Metropole mehr Brücken hat, als Venedig. Die braucht sie um ihre diversen Wasserwege zu überbrücken. Dazu gehören auch die von Touristen und Bewohnern zu Recht so beliebten Fleete.
In engen Wasserstraßen sanft dahingleitend eröffnen sich immer wieder wundersame Aussichten

So wie diese bemalte Hinterfront zum Beispiel. Dort gibt es zwar keinen Anleger, aber einen Hinweis, wo es hingehen könnte, wenn es denn ginge.

Ein Zugang für wagemutige Touristen, für kulturbeflissene Frösche, für Neptun und seinesgleichen? Oder nur ein Zeichen für die Weltoffenheit der Stadt?
3 April, 2008
Es ist nicht so einfach, in der Flensburger Innenstadt einen Parkplatz zu finden. Zumindest nicht so einen, der den ganzen Tag über kostenfrei genutzt werden kann. “Hier können wir parken”, hatte ein Geschäftsmann herausgefunden und steuerte seine Limousine auf einen freien Platz. “Aber da ist doch eine Kette”, wandte sein Kollege und Mitfahrer ein. “Die ist immer offen. Ich habe hier schon oft gestanden.” Ist doch immer beruhigend, einen Insider an der Seite zu haben. Am Ende eines sehr langen Arbeitstages dann die Überraschung: Kette vor, Auto eingeschlossen. Aber Manager wären nicht erfolgreich, wenn sie keine Ideen hätten. Kurzerhand stellte sich einer der beiden gut gekleideten Anzugträger auf die Kette, die lust-lose zwischen Schloss und Pfahl hing und spannte sie damit. Er forderte den anderen auf, Kette oder Schloss mit einem herzhaften Sprung auf die Eisenglieder zu sprengen. Mehrere Hopsversuche: Füße brannten – Kette hielt. Den großen Wagen drüberfahren? Zu riskant für die Hinterachse. Die Lösung nahte in Form einer Frau, deren Wagen ebenfalls eingeschlossen war. Kette zu zweit anheben während ein Wagen durchfährt. Feierabend gerettet.
19 März, 2008
Fast täglich berichten Medien von jugendlichen Gewalttätern. Es entsteht leicht der Eindruck, dass alle Jugendlichen (speziell Jungen oder junge Männer) zerstören, verprügeln und Schlimmeres tun. Kaum jemand nimmt sich der breiten Masse an. Berichtet von denen, die absolut unauffällig in der Gemeinschaft leben, die ein Gewinn für unsere Gesellschaft sind. Sie sind für die Medien offenbar nicht interessant. Sie bedienen nicht den verqueren Hang zum Voyeurismus der Garant für Verkaufszahlen oder Einschaltquoten ist. Und doch gibt es viele junge Menschen der guten Sorte. So wie sieben Jungen aus Wedel. Ihre Geschichte soll den Blick einmal auf die größere, andere Seite der Medaille Jugend lenken. (more…)
30 Januar, 2008
Da liegt sie. Ruhig und meist in schwarz gewandet vermittelt sie kein Gefühl von Gefahr. Oder sind bei genauerem Hinsehen nicht ihre Konturen fransig? Schimmert da nicht eine gewisse hinterhältige Bosheit durch? Etwas Schlimmes muss sie jedenfalls an sich haben, die Schrift, die da auf dem Papier ihr Dasein fristet. Denn sie wird bewacht. Wie sonst ist der Begriff Schriftwärterin zu verstehen?
Abschied an der Haustür. Sie drückt ihm ein Küsschen auf die Wange und sein Pausenbrot in die Hand. „Stehl gut“ lächelt sie ihn an. Keine Frage, welchem Beruf er nachgeht. Was er nach getaner Arbeit nach Hause bringt, ist logischerweise Stehlgut. Ein Begriff den der Duden nicht kennt, aber die Polizei. Bei Diebstählen taucht er gern in Meldungen der Polizeipresseabteilung auf.
Häufig ist diese Spezialprosa später auch in der Zeitung zu finden. Und sie ist nicht allein. Merkwürdige Wortschöpfungen oder Wiederholungen falscher bis nicht existierender Begriffe wie Attraktivierung oder Ehrenämtler sind keine Einzelgänger. Arme Sprache, wirst so verletzt von denen, die dich eigentlich lieben sollten.
28 Januar, 2008