Archiv für Januar, 2007

Neulich im Kindergarten

Tag der offenen Tür, in der Caféteria. „Na, wie gefällt es Ihnen denn im neuen Haus?“ Strahlend fällt die Betreuerin einer Mutter am Tisch in den Rücken. Mutter gefällt es sehr gut, jetzt wo der Umzug vorbei ist. Ihr offenes Gesicht signalisiert Erleichterung. „Und wohnt denn Ihre Mutter schon bei Ihnen?“ Mutter bestätigt: „Schwiegermutter“, weist auf die Oma gegenüber. „Das ist doch schön, so nah bei den Kindern, nicht? Immer jemand da, der für einen sorgen kann, wenn es mal nicht so geht.“ Oma ist ganz ihrer Meinung. Mutter kräuselt die Lippen. „Und gehst du oft zu deiner Oma?“ wendet sich die Betreuerin an das kleine Mädchen. Die findet das ganz super zwischen Kuchenkrümeln und Stuhlgehopse. Die Betreuerin erzählt von ihrer Oma, die immer Zeit hatte und bei der sie so gern zum Essen war, denn „Omas kochen doch immer am besten“. Mutters Stirn legt sich in bedenkliche Falten. Die Betreuerin ergeht sich in schwärmerischer Aufzählung von generellen Omavorzügen. Mutter schweigt mit Pokerface. Oma nickt gelegentlich höflich. Mutter steht auf und geht sich einen neuen Kaffee holen. Die Betreuerin hat verstanden. Entfernt sich taktvoll. Endlich.

31 Januar, 2007 at 14:38 Hinterlasse einen Kommentar

Sperrung noch nicht ganz aufgehoben

Weil viele Anfragen kommen, hier der letzte Stand zur Sperrung der Bahnlinien zwischen Elmshorn und Tornesch:

Voraussichtlich am Nachmittag des 29. Januar soll die Strecke zumindest eingleisig befahrbar sein. Was das für den Personenverkehr bedeutet, kann ich nicht sagen. Vermutlich wird der Fahrplan aber bis zur vollständigen Wiederherstellung nur eingeschränkt aufgenommen werden können. Ich kann aber bestätigen, dass dort rund um die Uhr gearbeitet wird, denn von meiner Wohnung aus höre ich dass dort schwere Lasten bewegt werden. Sonst weiß man im Moment nichts Genaues… Good luck für alle Bahnfahrer

Update 29. Januar: Nach letzten Meldungen ist der eingleisige Betrieb heute morgen wieder aufgenommen worden.

29 Januar, 2007 at 0:14 Hinterlasse einen Kommentar

Güterzug entgleist: Zwei Verletzte / Stahlrolle zertümmerte Boden?

Respekt vor der Macht der Chemie
Bei den Aufräumarbeiten hat es zwei Verletzte gegeben. Das teilt der Kreisfeuerwehrverband mit. Am späten Mittwochabend ist ein Mitarbeiter der Bahn in einen Graben gefallen, der mit der ausgelaufenen Chloressigsäure verunreinigt ist. Der Mann wurde sofort behandelt und zur Untersuchung ins Krankenhaus Pinneberg gebracht. Er ist mittlerweile wieder voll arbeitsfähig und an die Einsatzstelle zurück gekehrt.
So wunderbar diese Meldung für den Betroffenen ist, so sehr wundern sich aufmerksame Menschen. Hieß es nicht gestern erst (gegen 17.30 Uhr kam die Pressemitteilung), dass keine unmittelbare Gefahr mehr bestehe? “Die … Chloressigsäure ist mit Bindemittel abgestreut und gebunden. Damit ist die große Gefährdungslage beseitigt.” Offensichtlich traut man den Wundern der Chemie doch nicht recht.

Heute früh gegen 2.15 Uhr klagte ein Helfer des THW über Reizungen der Atemwege. Da der Mann auf dem Gleisbett eingesetzt war, sind alle Alarmlampen aufgeglüht. Der Mann wurde mit einem Rettungswagen (scheint ja ganz schön schlimm gewesen zu sein) in die Hamburger Uniklinik gebracht. Nach letzten Meldungen wurde an seiner Kleidung keiner der beiden Giftstoffe (Chloressigsäure und Natriumpercarbonat) gefunden. Auch die Blutuntersuchung soll keine Auffälligkeiten gezeigt haben. Jetzt versuchen die Ärzte, den Grund für die Beschwerden zu finden…
Dieser Vorfall hat heute zu den – bereits berichteten – verschärften Sicherheitsvorkehrungen geführt.

Update
Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) geht nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass eine Stahlbandrolle (Stahlcoil) auf dem ersten Wagen hinter der Lok den Unfall verursacht hat. Sie soll sich gelöst und die Bodenplatte des Containers zerstört haben. Dann sei sie durch den Rahmen des Tragwagens hindurch auf das Gleis gelangt. Hierdurch wurde das hintere Drehgestell des ersten Wagens, bei dem es sich um eine fest gekuppelte Einheit handelt, abgerissen. Dies hat die Entgleisung der nachfolgenden Wagen verursacht. “Die weiteren Untersuchungen des EBA konzentrieren sich auf die Ursache des Ladungsverlustes.”

So weit die offizielle Erklärung. Wie ist das physikalisch zu verstehen? Wenn ein so großes Objekt (Fotos) auf die Schienen gerät, kann es das eigentlich nur durch den Boden des Wagens. Bei seitlichem Absturz müßte die Rolle auch seitlich des fahrenden Zuges gelandet sein und nicht darunter. Da stellt sich die Frage: Wer ist für den Zustand der Güterwagen zuständig? Denn der kann nicht in Ordnung gewesen sein, wenn der Boden so marode war, dass die Ladung ihn zerstören konnte. Etwa die gleiche Frage könnte für den zerbrochenen Kesselwagen und den Container mit Gefahrgut gestellt werden. Wieso ist es in einem Land, das von Vorschriften wimmelt, nicht möglich, auf bruchsicheren Behältern für Gefahrgut zu bestehen?

25 Januar, 2007 at 17:44 Hinterlasse einen Kommentar

Güterzug entgleist: Arbeiten gestalten sich schwierig

Nach einer Nacht voller Arbeit im Scheinwerferlicht kommen die Helfer immer dichter an den Kern des Crashs heran. Dabei wurden erneut Chemikalien entdeckt. Ob es sich dabei um Natriumpercarbonat handelt, wollte bisher niemand sagen. Doch Helfer vom THW nähern sich dem Zentrum des Unfalls nur in Vollschutz. Das bedeutet: fest verschlossene Einmalanzüge, Atemmasken und doppelte Handschuhe. Das Unternehmen Nordlabor aus Pinneberg wurde mit der Überprüfung von Boden und Wasser beauftragt. Proben wurden genommen, nach welchen Stoffen gesucht wird, durfte das Unternehmen nicht sagen. “Aus Sicherheitsgründen” werden Vertreter der Medien weit vom Geschehen entfernt gehalten. Die Bahn will heute nachmittag eine Presserklärung zum aktuellen Stand herausgeben. (weiterlesen…)

25 Januar, 2007 at 14:32 Hinterlasse einen Kommentar

Güterzug entgleist: Genaues weiß man nicht

bahn1
Auf dem Schienenkran “David” ruhen jetzt die Hoffnungen. Wie lange wird es dauern, die Wracks von elf Güterwagen zu räumen?

Die gute Nachricht zuerst: Die Katastrophe zwischen Tornesch und Heidgraben hätte schlimmer kommen können. Menschen kamen bisher nicht zu Schaden, selbst der Zugführer blieb unverletzt. Der Sachschaden für die Bahn AG ist noch nicht abzusehen. Der entstandene Schaden für die Umwelt auch nicht. Ebenso ist die Frage weiter offen, wann der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Neumünster/Westerland wieder aufgenommen werden kann. Kritk wurde inzwischen von verschiedenen Seiten laut. Etwa 20.000 Pendler kamen zu spät zur Arbeit. Sie beschweren sich über mangelnde Information und chaotische Zustände. Die Menschen im glücklicherweise schwach besiedelten Unglücksgebiet sind erschrocken über die teilweise lückenhafte Information. (weiterlesen…)

24 Januar, 2007 at 17:24 2 Kommentare

Ein Hoch auf die Feuerwehr

kyrill
Weltuntergangsstimmung: Schwarze Wolken und außergewöhnliche Farben beim “Sonnenuntergang” begleiteten “Kyrill” gegen 16.30 Uhr. Sorry wegen der Unschärfe. Die Bäume wollten für die lange Belichtungszeit einfach nicht still halten…

Fenster auf – Kyrill rein – Kerze aus. Die beiden haben sich wirklich nicht vertragen. Ansonsten ist der Sturm mit relativ wenig Folgen über den Kreis Pinneberg hinweggefegt. Das liegt zum Teil daran, dass Schleswig-Holsteiner den Umgang mit rauhen Winden gewöhnt sind. Hier wird zum Beispiel die Standfestigkeit von Bäumen überprüft und die Dächer werden gleich sturmsicher gebaut. Außerdem haben wir großen Respekt vor den Naturgewalten. Deshalb sollte unser aller Hochachtung denen gelten, die sich in diesem Sturm draußen bewegt haben. Nicht unbedingt weil sie es gern wollten, sondern weil dort Arbeit auf sie wartete. Etwa 1000 Einsätze haben die Feuerwehren des Landes in der vergangenen Nacht bewältigt. Davon 120 im Kreis Pinneberg. Kleine Bilanz gefällig? (weiterlesen…)

19 Januar, 2007 at 16:42 2 Kommentare

Bahn AG: Kein Herz für kleine Bahnhöfe

Der Hauptbahnhof in Berlin ist Europas größter und modernster Bahnhof. Das befand die Europäische Kommission und bezuschusste den Bau mit 33 Millionen Euro. Mehr als 800 Millionen Euro hat der Prachtbau insgesamt gekostet. Summen, die sich normale Menschen noch nicht einmal im Traum vorstellen können. Schon gar nicht in der Wirklichkeit, wenn sie im Heimatort in den Zug steigen. Denn dort sieht der Bahnhof bei weitem nicht so schick aus. Oft erfüllt er noch nicht einmal die dringendsten Bedürfnisse. So wie in Elmshorn, Tornesch und Pinneberg. Dringende Anliegen von Bahnkunden und Politikern wiegelt die bundeseigene Aktiengesellschaft ab.
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14 Januar, 2007 at 22:19 Hinterlasse einen Kommentar

Engagement ist cool

Sie besucht die Berufsschule, macht parallel eine Ausbildung, liest gern, geht ins Kino und spielt Theater. Trotzdem nimmt sich Anna Bonkewitz die Zeit, den Vorsitz im zweiten Beirat für Kinder und Jugend der Stadt Pinneberg zu übernehmen. Damit gehört die 16-Jährige zu einer Gruppe, die wenig im Licht der Öffentlichkeit steht: Jugendliche, die positiv auffallen. (weiterlesen…)

7 Januar, 2007 at 19:47 Hinterlasse einen Kommentar

Mehr oder weniger Wert

Ja, beim Tanken tut das inzwischen richtig weh. Und auch bei anderen Dingen wird die Erhöhung der Mehrwersteuer zu spüren sein. Und das an Ecken, wo wir es gar nicht erwarten. Aber alle, die sich ein Rennpferd oder einen Strauß Rosen kaufen wollen, können beruhigt sein: Der Steuersatz bleibt bei sieben Prozent. Wer aber Kopfschmerzen von einem Sturz oder dem starken Blumenduft bekommt, muss für die Tablette den höheren Satz bezahlen. Möglich wird die inzwischen selbst für Fachleute undurchschaubare Aufteilung in sieben und 19 Prozent durch die in Deutschland so beliebten Ausnahme- und Sonderregelungen. (weiterlesen…)

4 Januar, 2007 at 0:50 2 Kommentare


 

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