Archive for Februar 2007

Neulich im Park

Sie schlendert durch den Park. Bewölkter Himmel, aber trocken. Kühl. Es raschelt im Gebüsch. Plötzlich sitzt ein winziges rundes Babyvögelchen nur eineinhalb Meter von ihr entfernt im Gras und piept jämmerlich. Sämtliche Beschützerinstinkte rotten sich augenblicklich zur Rettung des kleinen Wesens zusammen. Nicht mit den Händen anfassen, Jacke ausziehen. In Zeitlupe anschleichen. „Kann ich helfen?“ Eine volltönende amerikanische Männerstimme. „Suchen Sie nach dem Nest“, antwortet sie in leicht stockendem Englisch. „Mein Name ist George Clooney.“ – „Das interessiert mich im Moment nicht. Ich will nur das Baby zu seiner Mutter bringen.“ Wie dämlich kann eine Frau eigentlich sein? Er entdeckt das Nest im hohen Busch, während sie ganz behutsam ihre Jacke auf den Winzling legt und ihn aufnimmt. Clooney muss sie hoch heben, damit der Kleine zu seinen Geschwistern kann. Er macht das prima, Kunststück bei 56 Kilo, scheint sich aber zu wundern, dass sie immer noch nicht in Ohnmacht gefallen ist. „Ich bin Schauspieler.“ – „Ich weiß. Ich kenne viele ihrer Filme. Was mich aber wirklich interessieren würde: Was sind Sie für ein Mensch?“ Nun ist sowieso schon alles egal. Clooney lacht schallend und lädt sie zu einem Kaffee ein. Ja Ladies, so angelt man sich diesen Kerl. Da piepst es schon wieder. Die halbe Stunde auf dem Crosstrainer ist rum. Sie hat nie erfahren, wie das Date mit Clooney weiter ging.

Add comment 22 Februar, 2007

Auf gut Deutsch

Spätestens seit PISA ist allgemein bekannt, dass die deutsche Sprache kränkelt. Da konnte auch das ungeliebte Pflaster „Reform der Rechtschreibung“ keine Linderung verschaffen. Im Gegenteil zog und zwickte es nach dieser Behandlung an noch mehr Stellen als vorher. Inzwischen ist die neue Optik vertraut, die anfänglichen Schmerzen haben nachgelassen. Daran konnten Sprachfreunde sich gewöhnen. Nicht aber an die Tatsache, dass sich immer häufiger schlicht falsches Deutsch in Wort und Schrift breit macht. Hoffnung keimte bei Freunden der erkrankten Spezies „Deutsche Sprache“ auf, als sich die „Zwiebelfisch“-Kolumne von Bastian Sick anschickte, die Bestsellerlisten mit „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ anzuführen. Also gibt es doch noch Menschen, die sich für Ausdruck und Grammatik interessieren? Hurra! Besonders am heutigen „Internationalen Tag der Muttersprache“ ist Gelegenheit, die erkrankte Sprache bei ihrer Genesung zu unterstützen. (mehr…)

2 comments 21 Februar, 2007

Steine lügen nicht

Barometeranzeige hin, Wettervorhersage her – was ist wirklich zuverlässig? Viele schwören bei der Beurteilung des Wetters auf einen Blick aus dem Fenster. Wie es auch gehen kann, zeigt das Vorgarten-Objekt auf dem Foto:

wetter

Add comment 18 Februar, 2007

Kunst gefährdet Kinder – Umzug auf den Friedhof

Die Zeiten, in denen es „gefährliche“ Kunst gab, liegen weit hinter uns. Sollte man meinen. Doch ein Blick in die jüngere Vergangenheit belehrt eines Besseren. Eine Skulptur, die seit mehr als 30 Jahren auf einem Schulhof in Halstenbek stand, wurde als gefährlich eingestuft und entfernt. Sie fiel bei einer Sicherheits-Routinekontrolle unangenehm auf. (mehr…)

Add comment 15 Februar, 2007

Neulich in der Kneipe

„Die haben ja gar keine Cocktails.“ Lärmend hatte eine Gruppe am Nachbartisch – dem größten im Lokal – Platz genommen. Offensichtlich studieren sie gerade das Getränkeangebot. „Aber einen Orgasmus würden wir zusammen kriegen.“ Sofort gehört den sieben, zwei davon Männer, die Aufmerksamkeit aller anderen Gäste. Gelächter, aufgeregtes Schnattern. Die Gruppe hat entdeckt, dass sowohl Sambuca als auch Bailey’s auf der Karte stehen. „Man füllt ein Glas halb voll mit Bailey’s, lässt dann langsam eiskalten Sambuca reinlaufen.“ Den Kenner schüttelt es bei dieser Vorstellung. „Schmeckt nicht so übel, wie es sich anhört“, versucht einer der Männer die Frauen zu animieren. Aber die landen nach diversen anzüglichen Bemerkungen dann doch bei Wein, Sekt, Bier und Bitter Lemon und schrauben ihre Lautstärke auf ein erträgliches Maß herunter. Wer mutig genug ist, das Rezept auszuprobieren, erkennt, warum diese Mischung „Orgasmus“ genannt wird.

1 comment 14 Februar, 2007

Neulich im Kino

Ein kleines, privat geführt und gemütlich. Zwei Frauen stehen im Foyer direkt am Eingang. Da geht die Tür ein Stück auf und ein Mann, erste Hälfte der Zwanziger, steckt seinen Kopf zur Tür rein. „Kann man hier mit Karte zahlen?“ fragt er unbestimmt in Richtung der Frauen. Sehen die aus wie die Kinoauskunft? Eine von ihnen geht die fünf Schritte bis zur Kasse und fragt. Der Kopf mit dem Kerl dran bewegt nicht einen Fuß ins Innere. „Eurocard?“ fragt die Kassiererin über ihren Tresen so laut, dass auch der Kopf vier Meter weiter das hört. Er murmelt den Namen seiner Bank. Die Frau kommt zurück, nickt dem Kopf bestätigend zu. Der zieht sich ins Freie zurück, wo der Rest des Kerls wartet und verschwindet. Ein Danke wäre schon angebracht gewesen. Wenig später wird der komplette Kerl mit zwei attraktiven weiblichen Wesen an seiner Seite gesichtet. Wieso macht der immer noch so ein mürrisches Gesicht?

Add comment 8 Februar, 2007

Fahrstuhl im Schneckentempo

Das Bahnhofsgebäude versprüht den abgestandenen Charme der Siebziger. Die Eingangshalle ist zwar sauber, aber leer. Zu den Öffnungszeiten fristet das Reisezentrum ein einsames Dasein zwischen Fahrkartenautomaten und Reiseaufstellern. Folgt der Besucher dem Hinweisschild „Zu den Zügen“, landet er vor einem massiven Stahlzaun. Irgendwie symptomatisch für Elmshorn. „Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte“, soll der AG-Vorstand einmal gesagt haben. Dann sehen wir uns die Elmshorner Karte doch mal an. (mehr…)

1 comment 7 Februar, 2007

Langsam gehts voran

Gute Nachrichten für Pendler: Die Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Pinneberg soll ab Montag, 5. Februar, wieder zweigleisig befahrbar sein. Nach dem Güterzugunfall am 23. Januar (vorangegangene Berichte) musste die Strecke über eine Länge von einem Kilometer neu hergerichtet werden. Und genau dort liegt auch der Haken.

Wer als Pendler denkt, er ist ab morgen wieder per Bahn pünktlich bei der Arbeit, könnte enttäuscht werden. Dort, wo sonst 100 Stundenkilometer erlaubt sind, ist das Tempo jetzt auf 70 begrenzt. Das neue Schotterbett müsse sich erst setzen, hieß es von der Bahn. Im Klartext bedeutet das: Wer knappe Anschlüsse hat, sollte lieber eine Verspätung einkalkulieren. Denn die Bahn garantiert nicht dafür, dass die Fahrpläne eingehalten werden. Wie lange diese Geschwindigkeitsbegrenzung gelten soll, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass ab morgen keine Busse mehr als Ersatz fahren.

Add comment 4 Februar, 2007


 

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