Fahrstuhl im Schneckentempo
7 Februar, 2007
Das Bahnhofsgebäude versprüht den abgestandenen Charme der Siebziger. Die Eingangshalle ist zwar sauber, aber leer. Zu den Öffnungszeiten fristet das Reisezentrum ein einsames Dasein zwischen Fahrkartenautomaten und Reiseaufstellern. Folgt der Besucher dem Hinweisschild „Zu den Zügen“, landet er vor einem massiven Stahlzaun. Irgendwie symptomatisch für Elmshorn. „Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte“, soll der AG-Vorstand einmal gesagt haben. Dann sehen wir uns die Elmshorner Karte doch mal an.
Die Standards von Optik und Komfort lassen den Betrachter kaum vermuten, dass er sich auf dem drittgrößten Bahnhofs Schleswig-Holsteins befindet. Mit täglich 12.000 Fahrgästen, so die Statistik der Bahn, rangiert Elmshorn in der Bedeutung gleich nach Kiel und Lübeck. Doch es scheint ein ungeliebtes Kind zu sein, eine Provinzecke, die leicht in Vergessenheit gerät.

Zugang über das Gebäude

Zugang durch den Tunnel
Dabei wären gerade die kleinen Dinge so wichtig für Komfort und Wohlbefinden der Bahnkunden. „Einiges ist bereits geschehen“, findet Thomas Becken, Wirtschaftsförderer im Elmshorner Rathaus. Doch ein großer Wunsch hängt seit Jahren in der Warteschleife: ein Fahrstuhl. Der mittlere Bahnsteig zu den Gleisen 2 und 3 ist nur über eine steile Treppe zu erreichen. Wer ein Fahrrad, einen Kinderwagen, eine Gehhilfe oder gar einen Rollstuhl hat, für den ist diese Zugangsmöglichkeit ein echtes Hinder- und Ärgernis.

Nicht für alle gut zu bewältigen: Treppe zu den Bahnsteigen. Das Gepäckband auf der rechten Seite funktioniert schon seit Jahren nicht mehr. Im Rahmen der Arbeiten soll es wieder hergerichtet werden.
Deshalb die verständliche Forderung von Bahnkunden, Stadt und Politik: Baut endlich einen Fahrstuhl ein. Ein Vorhaben, das die Bahn seit vielen Jahren vor sich her schiebt. Es scheint, als ob andere Investitionen grundsätzlich Vorrang gehabt hätten.
Dabei wird das gar nicht so teuer, wie aus dem Elmshorner Rathaus zu erfahren war. Für den Einbau eines Fahrstuhls werden die Kosten auf etwa eine halbe Million Euro geschätzt. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu anderen Investitionen: Letztes Jahr wurden in Schleswig-Holstein 28 neue Doppelstockwagen für 38,5 Millionen Euro bestellt., die ab 2009 eingesetzt werden sollen.
Wieso dauert das so lange? Unter anderem diese Frage sollte während einer eigens einberufenen „Trassenkonferenz“ am 5. Februar 2007 in Pinneberg geklärt werden. Die SPD-Landtagsabgeordneten Siegrid Tenor-Alschausky (Elmshorn), Bernd Schröder (Pinneberg) und der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann hatten gesammelte Fachkompetenz von Bahn und Verkehrsbetrieben aufs Podium gebeten. Vertreter der Bahn hatten Erklärungen parat. Die Genehmigung für die Ausgabe obliege dem Eisenbahnbundesamt (EBA). Deren Zusage sei erst im Dezember 2006 eingegangen Allerdings nicht so, wie erwartet.
Erstens zu spät, um die Arbeiten noch für das Jahr auszuschreiben. Zweitens hatte das EBA die beantragte Summe auf „etwa 45 Prozent“ gekürzt. Drittens sei das Antragsverfahren hoch kompliziert und daher langwierig. Die Bahn-Bevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein, Ute Plambeck, versicherte aber:„Die Fahrstühle kommen“. (Und zwar nicht nur in Elmshorn, sondern auch in Pinneberg-Thesdorf, Halstenbek und Krupunder.)
Ein Fakt? Zumindest das Wirtschaftsministerium des Landes geht davon aus. Die Antwort auf eine Anfrage der bekennenden Bahnfahrerin Siegrid Tenor-Alschausky bestätigt das. Immerhin hat das Wirtschaftsministerium bereits 45.500 Euro als Vorfinanzierung für die Planung bereitgestellt. Deshalb wird dort davon ausgegangen, dass „… der Fahrstuhl bis Ende 2007 gebaut ist.“
Entry Filed under: Kommunales, Vermischtes. Schlagworte: Bahn AG, Bahnhof, Elmshorn, Fahrstuhl, Planung, Trassenkonferenz, Umbau, Versprechen, Zusage.
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1.
Stefan | 10 Februar, 2007 at 0:22
Das Rollmaterial wird i.d.R. von den Aufgabenträgern des Nahverkehrs finanziert. Also das Land bezahlt die Doppeldeckerwaggons, sie gehören dann aber der Deutschen Bahn AG. Bei den Bahnhöfen ist das anders. Wieso sollte die DB Station&Service AG, das DB-Tochterunternehmen, das die Bahnhöfe betreibt, einen Fahrstuhl einbauen, an dem sie kein Geld verdient? Das ist der Nachteil einer privatisierten Bahn. Gerne dürfen die Steuerzahler den Aufzug finanzieren, er würde dann allerdings der DB Station&Service AG gehören. Nach Gemeinwohl und volkswirtschaftlichem Nutzen fragt da keiner mehr. Salopp gesagt: Die Bahn muß börsenfähig werden, das ist wichtiger als Kinder, Behinderte und alte Leute.