Höhenretter im Flachland

12 Juni, 2007

 

 

 

 

Tiefe Schluchten oder steile Berghänge sind das bevorzugte Revier von Höhenrettern. Aber nicht nur in der Nähe von Bergen sind diese Spezialisten zu finden. Selbst in einem Bundesland, wo die Berge Deiche heißen, die höchste Erhebung mit stolzen 168 Metern bestenfalls als Hügel durchgeht, gibt es Höhenretter. Die dritte und neueste schleswig-holsteinische Spezialtruppe an Seilen nahm Anfang des Jahres in Pinneberg ihren Dienst auf. Denn auch im Flachland gibt es gefährliche Höhen.Ein Kranführer bekommt während der Arbeit einen Herzinfarkt. Er kann gerade noch Bescheid sagen, bevor er zusammenbricht. Wie kann der Mann von seinem luftigen Arbeitsplatz in den Notarztwagen gelangen? Ein Schreckensszenario, das für zehn Ehrenamtler vom THW-Ortsverein Pinneberg keines mehr ist.Seit Anfang dieses Jahres ist die „Örtliche Gerfahrenabwehr (ÖGA) Höhenrettung“ einsatzbereit. Ihre Spezialität sind Rettungen aus großen Höhen und Tiefen. Ob Windkraftwerk, Wasserturm, Hochhaus, Silo oder Brunnenschacht, sie kommen überall hin. Selbst an Stellen, die für die Drehleitern der Feuerwehren zu eng sind, können diese Retter helfen.


Sven Janert (links) und Ole Hansen waren die ersten Höhenretter beim THW Pinneberg.

Was sind schon 28 Meter Drehleiterhöhe, wenn an 60 Meter hohen Windkraftanlagen geübt wird?

Die Gruppe in Pinneberg hat 2001 mit Sven Janert und Ole Hansen die Ausbildung begonnen. Mindestens zwei Jahre dauert sie, dazu kommt ein regelmäßiges Training. Langsam wuchs die Zahl der fertigen Höhenretter. Zu Beginn dieses Jahres meldete sich die „ÖGA Höhenrettung“ mit zehn Aktiven erstmals einsatzbereit. Und prompt bekam sie durch den Orkan Kyrill zu tun.

Eines der großen Werbeplakate an der A 23 drohte sich zu lösen. Nicht auszudenken, welche Massenkarambolage entstehen könnte, wenn das 350 Quadratmeter große Banner auf die Autobahn fällt. Die Höhenretter haben es verhindert. Diese Form der Arbeit gehört nicht zum normalen Spektrum des Technischen Hilfswerks.

Träger ist der Helferverein des THW. Er hat die Basisausstattung finanziert und geholfen Spenden zu sammeln und Sponsoren zu finden. Neueste Sachspende ist eine flexible Trage aus den USA, die bei der Höhenrettung eingesetzt werden kann. Sie wurde vom Betreiber der Windkraftanlage in Raa-Besenbek spendiert.
Boris Friederich demonstriert die neue flexible Trage für Höhenrettungen.

 

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