Midgard-Projekt: Bürger außen vor

23 September, 2007 at 16:39 1 Kommentar

Nein, es ist kein Indogermanendorf. Diese gern benutzte Bezeichnung ist viel zu ungenau, weil sie von Sizilien bis Schweden gültig wäre. Es soll ein Dorf der Altsachsen werden, wie es vor mehr als 1000 Jahren tatsächlich in der Haseldorfer Marsch existiert haben könnte. Doch wie immer auch die Bezeichnung für das geplante Midgard-Projekt in Haseldorf ist, vorerst ist ihm ein Riegel vorgeschoben worden. Nach heftiger Kritik aus Reihen der SPD hat sich nun auch die CDU festgelegt. Sie will die notwendigen Änderungen im Bebauungsplan und in der Flächenplanung der Gemeinde nicht befürworten. Eine politische Notbremsung, um wieder Ruhe ins Dorf zu bringen?Bei der ersten öffentlichen Vorstellung des historischen Projekts sah alles so gut aus: Die CDU-Spitze aus Haseldorf, Landesumweltminister Christian von Boetticher (CDU) und Bundestagsabgeordneter Ole Schröder (CDU) waren sehr angetan von den Ideen, die Bernard Haarmeyer und Wolfram Rittker ihnen vorstellten. Grundeigentümer Udo Prinz von Schoenaich-Carolath wollte sein zehn Hektar großes Gelände für das historische Dorf verpachten. Alles in Butter.

Doch dann tauchten Verdächtigungen aus Reihen der SPD auf. Während einer Informationsveranstaltung wurde weiter Stimmung gegen die Initiatoren und das Projekt gemacht. Laut wurde überlegt, ob nicht vorsorglich eine Bürgerinitiative gegen das Midgard-Dorf gegründet werden sollte. Ein bisschen halbherzig wirkten die Konter aus den Reihen der CDU.

Ziel beider Parteien: Auf der angekündigten Einwohnerversammlung alle offenen Fragen zu diskutieren. “Basisdemokratisch”, wie es im Dorf nach Ansicht der CDU nun einmal zugehen soll, hätten Haarmeyer und Rittker dort Rede und Antwort gestanden. Hätten. Denn nun ist die Notwendigkeit einer Einwohnerversammlung abgewürgt worden.

Was verwunderlich ist und nachdenklich stimmt: Die beiden Ideengeber des Midgard-Projekts haben sich mit öffentlichen Äußerungen weitgehend zurückgehalten. Warum? Zu Hause, so Rittker im nordnews-Gespräch, sei ihm schon der Kragen geplatzt. Er hätte sich als Sprecher jedoch zurückgehalten, wollte das inzwischen entstandene Zerrbild des Projekts während der angekündigten Einwohnerversammlung gerade rücken, wollte im Interesse des Projekts sachlich bleiben.


Auch privat liebt Wolfram Rittker alte Gemäuer. Er lebt mit seiner Familie in einer historischen Bäckerei, deren älteste Teile im Jahr 1681 entstanden.

Denn während es unter der politischen Decke brodelte, hatten die beiden Ideengeber das ursprünglich für Hamburger Bedürfnisse geplante Dorf auf Haseldorfer Verhältnisse zugeschnitten. (Wer wissen möchte, wie die Überarbeitung aussieht, sollte einen Blick auf die Homepage der Midgard-Stiftung werfen.)

Ist die aktuelle Ablehnung an Fakten orientiert oder eher ein Politikum? Immerhin steht im kommenden Jahr die nächste Kommunalwahl an. Es wäre verständlich, wenn die CDU alles unternimmt, um wieder die absolute Mehrheit im Gemeinderat zu stellen. Ebenso verständlich wäre der Versuch der SPD, ihren Stimmanteil zu erhöhen.

Auf der Strecke bleiben die Bürger. Ihnen wird die Möglichkeit der Diskussion mit Initiatoren und Politikern genommen. Und damit die Chance, sich unabhängig von politischen Ansichten selbst eine Meinung zu bilden. Auf der Strecke bleiben ebenfalls die Stiftungsgründer, die nach wie vor hinter ihrer Idee stehen. Auf der Strecke bleibt vorerst eine Chance zur Weiterentwicklung des Dorfes für den Fremdenverkehr.

Was bleibt ist die Möglichkeit, ein landesweites Pilotprojekt in Haseldorf zu verwirklichen. Denn die geplante Erdwäremanlage kann auch unabhängig vom Midgard-Projekt gebaut werden. Eine Möglichkeit, die die CDU in einem Info-Brief an die Bürger Haseldorfs ausdrücklich befürwortet. Nach Berechnungen der ausführenden Firma Stoltenberg GmbH müssten sich zum kostendeckenden Betrieb 150 Haushalte anschließen lassen.

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Ausweglos Beförderung dank gutem Aussehen

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