Weihnachtsmarkt: Wer Gutes tut, wird ausgebootet
17 Dezember, 2007
In diesem Jahr hat auch Elmshorn in Sachen Weihnachtsmarkt so richtig Gas gegeben. Ein dreiviertel Weihnachtsmarkt in der Innenstadt, ein viertel Markt außerhalb. Und der traditionelle große Tannenbaum steht allein und ohne Schmuck weit ab der Fußgängerzone auf dem Bahnhofsvorplatz. Dieses zerrissene Bild ist das Ergebnis einer professionellen Planung, die sich die Stadt erstmals geleistet hat. Und natürlich gibt es jede Menge Verärgerung um das neue Weihnachtsgesicht der Krückaustadt.
Erster Akt: Die Geschäftsleute stritten sich. Eine neue Weihnachtsbeleuchtung sollte her. Kostenpunkt 30.000 Euro, verteilt auf die gewerblichen Anlieger der Innenstadt. Die Mehrheit war dafür, der Rest musste sich zähneknirschend beugen. Schön ist sie geworden, die Sonderanfertigung aus stromsparenden Leuchtelementen. Kerzen und Sterne beherrschen den Himmel über den Einkaufsstraßen. Dementsprechend bekam der neue Weihnachtsmarkt den Namen Lichtermarkt.

Da geht noch was: Die Seite der Kirche muss nicht unbedingt als Parkraum genutzt werden. Hier wäre ein kuscheliger Platz für Weihnachtsmarkt-Buden.
Zweiter Akt: Die Hamburger Eventagentur newaspect, erfahren in der Konzeption von großen Weihnachtsmärkten, wurde von der Stadt beauftragt, etwas Neues zu entwickeln. Das Sammelsurium an Ständen, was in der Vergangenheit so wenig Atmosphäre aufkommen ließ, sollte verschwinden. Ein Großer Plan entstand: 28 Holzhäuser in zwei verschiedenen Größen sollten rund um die historische Kirche aufgestellt werden. Ein Bühnenprogramm und diverse Aktionen waren geplant.
Was auf dem Papier so schön wirkte, wollte in Elmshorn nicht passen. Allein die von der Agentur verlangte Standgebühr von 1.500 Euro pro Meter für die gesamte Adventszeit, machte es vielen Betreibern unmöglich, eine der Hütten zu mieten. Ergebnis: Nur acht Holzhäuser wurden aufgestellt.
Zwischen den Akten: Böses Blut entstand vor allem beim DRK und bei der Polizei. Ersteres verkauft seit 20 Jahren die berühmte Erbsensuppe auf dem Markt. Zugunsten der eigenen Arbeit, versteht sich und nicht mit dem Ziel, kommerziellen Betreibern die Taschen zu füllen. Genau so auch die Polizei. Seit neun Jahren stehen Dieter Hamann und Klaus Tempel mit einigen Helfern in einer eigens angefertigten und ausgestatteten Glühweinbude in der Innenstadt. Eine große Belastung neben dem Beruf. Die nehmen sie gern auf sich, weil der Erlös stets für einen guten Zweck gespendet wird.

Klaus Tempel ist unermüdlich im Dienst der guten Sache. Das Kommunikationszentrum Glühweinbude der Polizei ist – wie andere nicht kommerzielle Weihnachtsmarkt-Beschicker – zum zweiten Standort umgezogen.
Beide Anbieter sind im Laufe der Zeit zum kommunikativen Herzen des Markts geworden. Doch für sie gab es keine Ausnahme von der hohen Standgebühr. Also sind sie vor die Tore der Stadt gezogen. Gemeinsam mit anderen karitativen Organisationen haben sie aus Protest den zweiten Weihnachtsmarkt dicht an der Autobahnausfahrt gegründet.
Verwunderlich: Einzig die Rotarier Round Tabler (sorry!) haben ein Haus auf dem Weihnachtsmarkt – kostenfrei. Sie haben, wie gut informierte Quellen berichteten, nicht das Stadtmarketing, sondern die Bürgermeisterin Dr. Brigitte Frontzek um unentgeldliche Teilnahme gebeten. Und sie von höchster Stelle auch genehmigt bekommen.
Nicht nur die Beteiligung am Markt ist viel geringer ausgefallen als gedacht, auch das begleitende Programm wurde reichlich ausgedünnt. Laternenumzug und Weihnachtsparade á la Steuben fanden nicht statt. Chorkonzerte und andere Vorstellungen scheiterten an schlechter Planung. Sie war einfach zu kurzfristig angelegt.

Diese Beleuchtung gibt es nur in Elsmhorn. Allerdings stimmt vieles nicht, was sich darunter abspielt.
Fazit: Die Verkaufshütten machen sich hübsch um die alte Kirche, die Beleuchtung ist auch sehenswert. An allem anderen muss noch erheblich gefeilt werden. Ansonsten könnte Elmshorn zur einzigen Stadt Schleswig-Holsteins werden, die einen zweigeteilten Weihnachtsmarkt hat.
Entry Filed under: Kommunales, Meinung, Menschen, Vermischtes. Schlagworte: Elmshorn, Glühwein, Polizei, Weihnachtsmarkt.
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