Schlimme Jugend – Es gibt auch andere

30 Januar, 2008

Fast täglich berichten Medien von jugendlichen Gewalttätern. Es entsteht leicht der Eindruck, dass alle Jugendlichen (speziell Jungen oder junge Männer) zerstören, verprügeln und Schlimmeres tun. Kaum jemand nimmt sich der breiten Masse an. Berichtet von denen, die absolut unauffällig in der Gemeinschaft leben, die ein Gewinn für unsere Gesellschaft sind. Sie sind für die Medien offenbar nicht interessant. Sie bedienen nicht den verqueren Hang zum Voyeurismus der Garant für Verkaufszahlen oder Einschaltquoten ist. Und doch gibt es viele junge Menschen der guten Sorte. So wie sieben Jungen aus Wedel. Ihre Geschichte soll den Blick einmal auf die größere, andere Seite der Medaille Jugend lenken.Alles begann an einem langweiligen Märznachmittag 2006. Die Freunde Simon Körner und Mikail Karahan spielten in der Scheune der Familie Körner in Wedel. Im ehemaligen Ziegenstall hatten sie eine Idee. Ließe sich daraus nicht ein kleines Theater machen? Beide hatten bereits erste Bühnenerfahrung mit den Brettern, die die Welt bedeuten, auf dem Theaterschiff Batavia gemacht.


Szene aus “Eheberatung”: Frau und Herr Blöhmann lernen an einer Attrappe küssen.

Mit den Klassenkameraden Justin Schümann, Paul Rick und Thorben Korn machten sich die damals Elfjährigen ans Werk. Es wurde aufgeräumt, ausgemistet, eine Decke verkleidet, ein Bühnenpodium gebaut und Wände gestrichen. Die Theaterscheune Wedel war entstanden.

Während der handwerklichen Arbeiten machten sich die Jungs Gedanken über Stücke, die sie spielen wollten. Die ersten Vorstellungen gaben sie mit “Essen für einen” (Dinner for one auf Deutsch) und “Ein feines Lokal” für Freunde und Familie. Auch Lehrer und Klassenkameraden ließen sich sehen. Vom Erfolg angetrieben wagten sie sich an erste Loriot-Sketche. “Wir sind alle Fans von Loriot. Das gefällt uns und bringt die Leute zum Lachen”, begründete Simon im nordnews-Gespräch die Wahl.


Szene aus “Skat”: Herr Moosbach (Mitte) bringt seine Mitspieler charmant und nervtötend an den Rand des Wahnsinns.

Denn das ist das Ziel der Gruppe: Menschen zu unterhalten. Nach den drei erfolgreichen ersten Aufführungen hatte sich trotz des geringen Eintrittspreises genügend Geld in der Kasse angesammelt, um das Theater zu perfektionieren. Beleuchtung und ein Pult für Technik wurden gebaut und installiert. Alle diese Arbeiten haben die Jungen ohne nennenswerte Hilfe von Erwachsenen eigenständig erledigt. Nur Simons Mutter half, als sie einenVorhang nähte.

Nächstes Projekt: “Weihnachten bei Hoppenstedts” und “Vertreterbesuch”. Wieder ein Erfolg. Das einjährige Bestehen wurde mit Vorstellungen der Sketch-Highlights gefeiert. Das neueste Projekt (Januar/Februar 200 8) heißt “Humorvolle Sketche von Loriot & Co”. Inzwischen ist die Gruppe der schauspielernden Jungen um Jannik Schernikau und Paul Scherres gewachsen.


Szene aus “Das Gästebuch”: Loriot malt ein Loch. Hausdame: “So begabt wie Sie möchte ich auch mal sein.”

Immer noch managen sie alles allein, inklusive Backen von Muffins für die Zuschauer. Die gibt es zusammen mit Getränken in der Pause. Vom Programmheft bis zu Bühnenmöbeln, von Internetpräsenz bis zur Rollenverteilung wird alles selbst gemacht. Wer welche Rollen spielt und wie die Darstellung aussehen soll, wird ebenfalls gemeinsam bestimmt. Neben der Schule haben die schauspielernden Sieben noch andere Interessen. Verschiedene Sportarten im Verein, zur Waldjugend gehen und Musik machen gehören dazu.

Diese Jungen sind nur wenige. Aber es gibt viele wie sie. Junge Menschen die äußerst positiv auffallen. Das gibt doch Hoffnung für die Zukunft.

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3 Comments Add your own

  • 1. Janik  |  31 Januar, 2008 at 20:34

    Ich bin einer der Mitspieler von der Theaterscheune-wedel und möchte ihnen für ihren Artikel danken. Allerdings bin ich schon länger in der Theatergruppe.

  • 2. Thorben Korn  |  7 Februar, 2008 at 20:21

    Hallo Frau Düstersiek!
    Auch ich möchte mich bei Ihnen für Ihre Mühe und für die beiden tollen Artikel über uns bedanken. Ich habe diese Seite natürlich auch auf unserer Seite verlinkt!!!
    Herzliche Grüße,
    Thorben Korn

  • 3. Ludo Kamberlein  |  19 Juni, 2008 at 11:20

    Videotipp - Jugendgewalt in der S-Bahn (Satire):
    http://www.youtube.com/watch?v=4dFxoJD7uw0

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