Kinderarmut: Auch kleine Schritte können helfen
26 Mai, 2008
Jetzt ist es wirklich nicht mehr zu übersehen: In Deutschland leben viele Kinder in Armut. Das ist das Ergebnis des gerade vorgestellten Unicef-Reports über „Lebenschancen von Kindern in Deutschland“. Kurzes Fazit: Die Armut von Kindern wächst. Besonders diejenigen, die mit nur einem Elternteil aufwachsen sind deutlich benachteiligt. Wie auch ein vergleichsweise kleiner Verein der wachsenden Kinderarmut etwas entgegensetzen kann, zeigt ein Beispiel aus Elmshorn.Der multikulturell geprägte Stadtteil Hainholz hatte keinen guten Ruf. Vernachlässigte Hochhäuser, viele Menschen auf kleinem Raum, hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Nach langem Kampf hatte es die Stadt geschafft, den Bereich Hainholz in das Projekt „Soziale Stadt“ zu bringen. Seither werden Häuser saniert, das Umfeld gemeinsam mit den Bewohnern verschönert. Viele Einzelprojekte werden unter Regie eines Stadtteilmanagers zur sozialen Integration zusammengefasst.
Neuestes Projekt: Die Eröffnung der ersten Kleiderkammer im Kreis Pinneberg speziell für Kinder. Sie ist nach dem Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen in Kiel das zweite annähernd vergleichbare Angebot in Schleswig-Holstein. Die Idee stammt vom Verein „Holsteiner helfen Holsteinern“.
In Zusammenarbeit mit dem Rathaus und dem Stadtteilbüro, sowie der Förderung durch das Projekt „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ wurde die Idee umgesetzt. Vorsitzende Elke Franke hat in nur fünf Monaten einen Raum ausgestattet, Fördergelder beantragt, Mitarbeiter für das Projekt gefunden und viele Spenden abgeholt, sortiert, gewaschen und gebügelt.
Bürgermeisterin Dr. Brigitte Fronzek (von links), Vorsitzende Elke Franke, SPD-Landtagsabgeordnete Siegrid Tenor-Alschausky und der stellvertretende Vorsitzende Claus-Dieter Weiß eröffneten die Kleiderkammer für Kinder in Elmshorn.
Vom Baby- bis zum Teenageralter sind dort Kinderkleider, Schuhe, Spielsachen und sogar Brillen kostenlos zu erhalten. In Zukunft wird auch Kleidung für Schwangere zum Angebot gehören. Darüber hinaus sollen Kinder und Erwachsene in Nähkursen erfahren, dass auch schon mal eine Naht geflickt, ein Knopf angenäht, ein Reißverschluss ersetzt oder gar ganze Kleidungsstücke selbst angefertigt werden können.
„Wir wollen hier auch ein Stück Heimat schaffen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Claus-Dieter Weiß während der Eröffnung. Wer das Angebot nutzen möchte, muss den Nachweis der Bedürftigkeit erbringen. Alle notwendigen Angaben werden streng vertraulich behandelt. Dann wird ein Ausweis mit Lichtbild erstellt, der bei künftigen Besuchen nur noch vorgezeigt werden muss.
„Ich bin froh und dankbar, dass es Menschen gibt, die sich ehrenamtlich für schwächere Mitbürger einsetzen. Aber ich bin auch bestürzt darüber, dass in unserer Gesellschaft ein solches Angebot notwendig ist“, sagte SPD-Landtagsabgeordnete Siegrid Tenor-Alschausky während der Eröffnung.
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