Neulich beim Rudelgucken
15 Juni, 2008
Viele Leute sitzen zusammen. Alle Gesichter sind in die selbe Richtung gedreht. Wie von Zauberhand halten alle gleichzeitig die Luft an, klatschen, jubeln oder pfeifen und stöhnen missbilligend. Ganz nebenbei steigt der durchschnittliche Konsum von – häufig alkoholischen – Getränken. Das freut die gastgebenden Wirte. Klar, die Menschen sehen sich gemeinsam ein Fußballspiel an. Macht richtig Spaß in großer Runde auf großer Leinwand. Allerdings ist der Spaß zu Ende, wenn Sprachfreunde darüber nachdenken, was sie dort eigentlich tun. Public viewing. Gemeinsam öffentlich gucken soll mit dem Begriff beschrieben werden. Gibt es denn dafür kein deutsches Wort? Doch, gibt es. Zumindest Ideen. Die Aktion Lebendiges Deutsch schlägt Schau-Arena vor. Im Kollegenkreis wurde Rudelgucken erdacht, wahlweise abgemildert zu Gruppengucken. Weitere kreative Ideen sind nicht nur willkommen, sondern absolut notwendig. Denn das, was hierzulande Stimmung (je nach Ausgang der Partie von ausgelassen-fröhlich bis zu niedergeschlagen-entsetzt) in einer Fremdsprache macht, ist absolut kein Grund zum Freuen. Andernorts beschreibt “public viewing” eine öffentliche Aufbahrung.
Entry Filed under: Kolumne, Kommunales, Meinung, Menschen, Vermischtes. Schlagworte: Deutsch, Fußball, Leinwand, public viewing, Rudelgucken, Wortschöpfung.
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1.
Fehlerleser.de | 16 Juni, 2008 at 7:28
Die “Aktion Lebendinges Deutsch” kannte ich noch gar nicht. Lobenswerte Initiative. Rettet dem Deutsch!